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Kinder und Jugendliche sind die Verlierer der Wirtschaftskrise

by Peter Gemeinhardt15.05.15 STEUERRECHT

Kinder und Jugendliche sind laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung die Verlierer der Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2008. Die Kluft zwischen den Generationen wird demnach immer größer, auch in Deutschland, wenngleich das Land insgesamt vergleichsweise gut dasteht. Neben der Jugendarbeitslosigkeit, vor allem in Südeuropa, ist die steigende Verschuldung und zunehmende Steuer- und Abgabenlasten ein Problem für den Nachwuchs.

 

Mehr als ein Viertel der unter 18-Jährigen armutsgefährdet

Mehr als ein Viertel der europäischen Kinder und Jugendlichen unter 18 sind demnach arm oder von Armut bedroht, seit 2007 stieg der Anteil von 26,4 auf 27,9 Prozent. Über 65-Jährige waren 2007 mit 24,4 Prozent noch ähnlich oft arm, mittlerweile sank der Anteil aber auf 17,8 Prozent. Das liegt vor allem an den sinkenden Einkommen in den südeuropäischen Staaten. Weil die Renten meist unverändert blieben, verbesserten die Rentner und Pensionäre ihre relative Einkommensposition. Armut wird in Europa nämlich am Einkommen des Durchschnittsverdieners gemessen, steigt dessen Einkommen, steigt auch die Armutsgrenze, fällt es geht auch die Armutsgrenze zurück. Der Rückgang der Altersarmut in Südeuropa ist also vor allem auf ein sinkendes Durchschnittseinkommen zurückzuführen und nicht auf ein höheres Einkommen. Gleichzeitig wäre die Armut der Jugendlichen und Kinder noch viel stärker gestiegen, wenn nicht auch das Durchschnittseinkommen gesunken wäre.

 

Situation in Deutschland vergleichsweise gut 

In Deutschland ist die Kluft zwischen den Generationen weniger groß. Das liegt vor allem an der guten Arbeitsmarktsituation, junge Menschen sind deutlich seltener weder in Arbeit noch in Ausbildung. Allerdings ist auch hier eine deutliche Kluft zwischen den Generationen festzustellen, bei den unter 18-Jährigen und den 18 bis unter 25-Jährigen ist die Armutsgefährdung besonders hoch, bei den über 65-Jährigen ist sie weiterhin unterdurchschnittlich.

Außerdem sind junge Menschen in Deutschland besonders oft prekär beschäftigt. Immer mehr Arbeitnehmer sind trotz Vollzeitjob von Armut bedroht, ihr Anteil ist zwischen 2009 und 2013 von 5,1 auf 6,3 Prozent gestiegen. Das trifft besonders oft jüngere Arbeitnehmer, die häufig bei Zeitarbeitsfirmen oder in ausgelagerten Gesellschaften mit niedrigerem Lohn beschäftigt werden.

 

Probleme oft von Politik hausgemacht

Einige Probleme sind nach Ansicht der Bertelsmann-Stiftung aber auch von der Politik hausgemacht. So belastet die steigende Verschuldung kommende Generationen, die für Zinsen und Tilgung der Darlehen aufkommen müssen. Hinzu kommen steigende Lasten für die Sozialversicherungsausgaben aufgrund der Alterung der Gesellschaft. Das führt zu höheren Sozialbeiträgen sowie steigenden Steuern, sei es durch direkte Steuererhöhungen oder versteckte in Form der kalten Progression. Gleichzeitig stagnieren die Ausgaben für Zukunftsinvestitionen, was die Lage nach Ansicht der Forscher weiter verschlechtert.

Deutschland rutsche beim Index zur Generationengerechtigkeit deshalb von Platz zehn auf Platz 15 der europäischen Staaten ab. Gute Nachrichten gab es dagegen bei der Vorstellung des Index zur sozialen Gerechtigkeit der Bertelsmann Stiftung. Hier gehört die Bundesrepublik zu den wenigen Ländern, die 2015 einen höheren Wert erreichten als 2007, auch das vor allem eine Folge des Beschäftigungszuwachses.

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